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Göteborg - Westschweden

vom 23.06. - 27.06.2014

 

 

Göteborg ist schön..

 

……oder hinter jeder Ecke lauert die Gefahr

 

 

Also es handelt sich hier nicht um eine besonders unangenehme Gefahr, sondern eher um Gefahren die Hüften, Po und Oberschenkel betreffen. In Göteborg findet man doch tatsächlich hinter fast jeder Straßenecke ein Cafe ! Und wer liebt es in Cafes zu sitzen, Leute zu beobachten und dabei genüsslich Zucker, Sahne, Streusel und Zimt zu vernaschen - richtig, die Pabstens !

 

Es ist wirklich verführerisch, überall locken einen die Kuchentheken mit einer bunten Auswahl an leckeren Törtchen und Teilchen von der Strasse weg und fordern einen mit ihrem Anblick geradezu auf hineinzubeissen und jeden Moment zu geniessen. Der innere Schweinehund ist also in dieser Stadt ganz schön gefordert - zumindest meiner !

Da mein wohlgerundeter Körper es mittlerweile aber sowieso mit jedem Rubensmodel aufnehmen kann, habe ich den Schweinehund doch hin und wieder einfach ignoriert (mit dem Gedanken es ist ja sowieso schon alles zu spät) und mich den Köstlichkeiten hingegeben. Und grad schön wars!

Also an der Vielfalt und Anzahl an Kaffeehäusern könnten sich die Norweger mal eine Scheibe abschneiden !

 

Doch nun zum eigentlichen Göteborg - dort kann man ja doch noch mehr finden als nur Kaffeehäuser..

 

Kurz zur Info vorab: Göteborg ist die zweitgrösste Stadt Schwedens, liegt an der Westküste am Fluß Göta und hat eine herrliche Schärenküste direkt vor den Toren.

In der Stadt selbst findet man noch viele wunderschöne alte Gebäude, unter anderem schöne Backsteinhäuser, desweiteren schlängelt sich ein Kanal rund ums Zentrum auf dem man natürlich mit den Paddans (Ausflugsboote) rumtuckern kann um sich einen Überblick über die vielen interessanten Seiten der Stadt zu schaffen.

Alte Strassenbahnen zuckeln auch noch durch die Stadt und an vielen Ecken findet man einen Fahrradverleih (ich konnte mich gerade so beherrschen)

Doch wie kam es überhaupt zu Göteborg ?? Schlicht und einfach, weil unser Geldbeutel dieses Jahr nur ein paar Tage Abwechslung erlaubte anstatt einer grösseren Urlaubsreise und diese Abwechslung in Schweden dann ja auch noch um ein paar Krönchen billiger ist als hier in Norge.

 

Also haben wir unser Augenmerk wieder zu den Nachbarn gerichtet und da man ja schon hörte bzw. las, dass Göteborg zum einen eine schöne Stadt sein soll und zum anderen von bezaubernder schwedischer Küstenlandschaft umringt sei, die ColorLine manchmal ganz gute Angebote hierzu in die Briefkästen flattern lässt, wurde eben dies unser Ziel.

Die Fahrtdauer hielt sich in Grenzen, reine Fahrzeit mit dem Auto sind 4 Stunden, es kommen natürlich noch die 2 ½ Std. Überfahrt mit der Fähre hinzu, aber da kann man sich ja frei bewegen - und z.B. wie unsereiner das lecker Buffet genießen - und muss nicht die ganze Zeit im Auto sitzen.

 

In Pippis Heimat dann angekommen unternahmen wir auch gleich mal die erste Erkundungstour. Anstatt direkt nach Göteborg zu düsen, besichtigten wir unterwegs noch den Küstenort Lysekil und vor allem das dortige Aquarium - ihr könnt Euch ja denken, daß unsere Jungs an Fischen nicht so einfach vorbeikommen..

 

Gegen 17 h waren wir dann am Ziel und konnten im Novotel unser Zimmer beziehen.

Das Novotel war in grauer Vorzeit wohl mal eine Brauerei und auch hier stehen rund um das Hotel noch viele alte schöne Gebäude aus der damaligen Zeit. Das Hotel liegt direkt am Fluß, fast unter einer Brücke und der Blick aus dem Hotelzimmer auf den Fluß Göta, auf die Anlegestellen der Fähren und das bunte Treiben auf den Stegen ist immer wieder interessant.

Auch liegt fast direkt vor dem Hotel die Anlegestelle der Snabban-Boote, die die Verbindung zum Zentrum darstellen. Man kann also getrost sein Auto am Hotel stehen lassen und sich mit der Fähre ins Geschehen schippern lassen.

 

 

 

Und noch mehr zu Göteborg……

 

Der erste Morgen (24. Juni) in Göteborg begann noch etwas bewölkt, Sonnenschein war aber für später gemeldet und so überlegten wir bei einem ausgiebigen Frühstück ob wir die Stadt besichtigen sollten oder doch lieber die Gegend drumherum erkunden. Die Stadt gewann.

 

Übrigens…….solch lecker Frühstücksbrötchen wie es an diesem Frühstücksbuffet gab, hatte ich schon seit unserer Zeit in Deutschland nicht mehr bekommen……ich könnt da jeden Tag wieder frühstücken.

 

Da die Anlegestelle der Snabben-Boote (die in regelmässigen Abständen den Fluss rauf und runter schippern) quasi fast direkt vor dem Hotel liegt, nutzten wir dies natürlich und ließen das Auto heute stehen.

 

Im Zentrum angekommen spazierten wir drauf los und erkundeten eine Ecke nach der anderen, nicht ohne hier und da mal einen Blick reinzuwerfen, die Schaufenster zu bewundern und das Treiben auf den bunte Strassen zu beobachten.

 

Von der Auswahl an Cafès die einem hier zugemutet wird habe ich ja schon erzählt, aber auch jeder Shoppingliebhaber kann hier auf seine Kosten kommen. Geschäfte und schnuckelige Boutiquen ohne Ende..

 

Mein Favoritt - die Schokoladenfabrik ! Dies war zwar wirklich nur ein klitzekleiner Laden……aber mit einer köstlichen Auswahl ! Ähnlich wie die Schokoladenfabrik in Arendal, wo man zugucken kann, wie die Schokoladenstückchen hergestellt werden. Daß Mamsen hier dem Shoppingwahn verfiel dürfte ja allen klar sein.(aber ich hab mich wirklich zurückgehalten und nur ein kleines Sortiment Trüffelpralinchen zum Probieren mitgenommen).

 

Doch nicht nur Schokolade erfreute unsere Gemüter..sondern auch richtig schöne leckere - und vor allem deutsche - Wurstwaren !

In der sogenannten Saluhallen - eine sehr schöne Halle in der sich bereits seit 1889 die Markthalle befindet - kann man viele kleine Geschäfte und Restaurants entdecken.

Und ich sags Euch, solch herrliche Wursttheken haben wir auch schon seit deutschen Zeiten nicht mehr zu sehen bekommen ! Ich glaub bei Michi und Flori lief grad so das Wasser im Mund zusammen..

Selbstverständlich mussten wir auch hier ein paar Sachen mitgehen lassen - denn wann hat man sonst schon Gelegenheit mal wieder herzhaft in eine Landjäger oder Cabanossi zu beißen, Teewurst oder Leberkäs zu genießen und sogar Original Thüringer Rostbratwürste gabs zu kaufen. Wobei nach der ersten Verkostung bereits klar war - so original sind die dann doch nicht. Aber gut trotzdem und auf alle Fälle mal eine Abwechslung zu den norwegischen Würstchen..

 

Fisch gibt es in Göteborg übrigens natürlich auch - aber nicht in dieser Markthalle sondern in der sogenannten Feskekörka (Fischkirche).

Ebenso ein sehr schönes altes Gebäude in dem seit 1874 der Fisch verkauft wird. Und der Name kommt daher, weil der gothische Baustil nun mal an Kirchen erinnert.

 

Nach so vielem Rumschlendern und Erkunden brauchen dann die Füsse doch auk mal eine Pause und so haben wir uns kurzfristig noch zu einer Bootstour rund um das Zentrum entschlossen. Hierzu werde ich aber extra berichten..(siehe weiter unten)

 

Und ausserdem musste man ja auch an das leibliche Wohl meiner Männer denken (Flori fragt sowieso im Stundentakt wann es wieder Essen gibt) und daher kehrten wir im Laufe des Tages in eine Pizzeria ein. Denn immer nur Kuchen und Teilchen in den gemütlichen Cafès zu naschen, macht auf Dauer auch nicht glücklich.

 

Auf alle Fälle war es ein sehr schöner Tag in der Innenstadt, wir haben viel gesehen und nicht nur alte schöne Gebäude sondern auch festgestellt, daß Göteborg ebenso einige grüne Seiten zu bieten hat. Es gibt z.B. herrliche Parks entlang des Kanals wo dann auch entsprechend viel Schweden sich nach der Arbeit zum Chillen treffen.

 

Nachdem unsere Beine doch irgendwann nicht mehr so fit wirkten wie noch am Morgen, tuckerten wir mit der nächsten Snabben-Fähre zurück zum Hotel und ließen den Abend ganz ruhig bei einem Bummel rund um das Hotelgelände ausklingen.

 

 

 

Göteborg - mit der Kröte rund ums Zentrum……

 

Schon mal auf einer Kröte übers Wasser geschwommen ??

In Göteborg ist das ganz einfach.

Also mit Kröte meine ich die Paddan-Boote, die täglich viele hunderte Touristen durch die Stadt schippern. Paddan = auf Deutsch Kröte

 

Und von so einem Paddan-Boot aus kann man sich schon mal einen guten Eindruck über die Stadt verschaffen. Das Zentrum ist ja von einem Kanal umringt (der wohl in grauer Vorzeit mal als Schutz vor Angriffen angelegt wurde) und mit den Paddan-Booten umkreist man also den Kern der Stadt und kommt dabei auch etwas hinaus auf den Götafluss.

Vorbei an den schönen alten Gebäuden auf der einen Seite, den Grünanlagen auf der anderen Seite, mag die Tour evtl. ein bisschen an Amsterdam erinnern..kann zwar hier keinen persönlichen Vergleich äussern, da ich nok gar nicht in Amsterdam war, aber zumindest könnte ich es mir so vorstellen.

 

Am Interessantesten jedoch ist - daß einen die Boote unter ca. 20 Brücken hindurchführen und so manche von denen hängt ganz schön tief übern Wasserpegel.

So gibt es z.B. eine Brücke Namens Käsehobel“….hier müssen sich die Passagiere auf den Boden setzen um nicht abgehobelt zu werden. Desweiteren wird eine der Brücken wohl auch Frisörbrücke genannt - hier darf man zwar auf seinem Platz sitzenbleiben, sollte aber unbedingt den Kopf einstecken - sonst sitzt die Frisur nicht mehr (da hilft dann auch kein Drei-Wetter-Taft mehr)

 

Ganz klar, daß auch immer ein Reiseführer mit bei ist, der alles Wichtige, Interessante und die ein oder andere Anekdote zu Göteborg erzählt.

 

 

 

Von Burgen und Meisterdieben..

 

Der nächste Morgen (25.06.) begrüsste uns mit strahlendem Sonnenschein und wir wurden uns schnell einig, daß wir diesmal lieber raus aufs Land fahren wollten.

Etwas nördlich von Göteborg liegt der beschauliche Küstenort Marstrand (teils auf dem Festland als auch ein Teil auf einer Schäre) und zeigt sich natürlich im schönsten schwedischen Ambiente.

 

In Schweden (und sicherlich auch bei Seglern ausserhalb der blaugelben Grenzen) ist der Ort bekannt für seine jährliche Segelregatta - was uns aber nun weniger interessierte, als die große Festung die über dem Ort thront.

 

Die Carlsten Festning wurde im Jahre 1658 von König Carl X Gustav in Auftrag gegeben und man fing an ein Holzfort auf dem höchsten Punkt der Schäre zu errichten. Leider bot dieses Fort aber wohl nicht genug Schutz gegen die Dänen und Norweger und so wurde die Festung in den nachfolgenden Jahren ständig erweitert.

 

Da die Insel für den Bau aber nicht genug Leute zur Verfügung hatte kamen die Schweden auf die Idee, doch die Marstrand-Strafe einzuführen. Anstatt Gefangene also in ein normales Gefängnis zu stecken kamen sie nun nach Marstrand und mussten, mit Fussketten und Eisenkugeln versehen, die Burg Jahr für Jahr erweitern. Die Zustände mussten nicht die besten gewesen sein, denn die Sterbequote unter den Gefangenen war hoch.

 

Einer dieser Gefangenen war übrigens sehr berühmt in Schweden - Lasse-Maja.

Lasse-Maja war ein Dieb in Frauenkleidern !

Er verkleidete sich und nahm meist Stellen als Hauhaltshilfe an, um dann mit dem guten Tafelsilber und sonstigen wertvollen Dingen wieder zu verschwinden. Dies natürlich in Männerkleidern - denn gesucht wurde ja nach einer Frau !

Irgendwann ging aber wohl doch einer seiner Pläne nicht so ganz auf und man erwischte ihn als er sich gerade mit dem Kirchensilber aus dem Staub machen wollte und verfrachtete ihn nach Marstrand - wo er erst 26 Jahre später vom König begnadigt wurde.

 

Heutzutage wacht eine stolze Burganlage über den Ort und es macht Spaß in den alten Gemäuern zu schlendern, die alten Geheimgänge zu erforschen oder den Turm zu erklimmen um die fantastische Aussicht über den Schärengarten zu genießen.

 

 

 

Und schon wieder antikes Gestein……Schloss Tjolöholm (26.06.)

 

Da unsere Jungs ja bereits vor unserer kleinen Reise zu mir kamen und meinten Mama - daß wir diesmal auch ja keine Kirche besichtigen müssen..……..habe ich mir das natürlich zu Herzen genommen und nach Alternativen gesucht.

Und.was soll ich sagen..es gibt ja auch noch Schlösser und Burgen.grins ! In Schweden sogar eine stolze Anzahl davon.

Ihr werdet nun denken oje, die armen Kinder, aber so ganz grausam waren die Ausflüge dann ja doch nicht für Felix und Florian.

Der Besuch der Carlsten Festning am Vortag hatte ihnen immerhin schon mal Spaß gemacht und so fanden wir für den heutigen Tag gleich noch ein schönes historisches Gebäude zu besichtigen.

 

 

Schloss Tjolöholm (45 min. südlich von Göteborg) bot aber ebenso einen kleinen Badestrand so daß ich mir einfach dachte, wenn es den Beiden zu langweilig werden würde, könnten sie sich ja bißchen am Wasser vergnügen.

Ausserdem lag auf der Strecke dorthin ein Angelladen, den die Beiden sowieso noch unbedingt aufsuchen wollten.

Somit waren Felix und Florian dann schnell überzeugt und unser Ausflug konnte starten.

 

Doch nun zum Schloß - also wenn man mal davor steht so denkt man, man steht in einem Pilcher-Film. Irgendwie erinnert es doch sehr an die schönen alten Herrenhäuser die man oft in diesen Filmen zu sehen bekommt.

Gebaut wurde es zwischen 1898 und 1904 und wie man nur unschwer erkennen kann im wunderschönen Tudor-Stil.

Rund um das Schloß findet man herrliche Parkanlagen und auf dem Gelände wurden damals auch einige kleinere Häuser errichtet für die Angestellten, sowie eine Kirche. Die kleineren Häuschen werden heutzutage als Ferienhäuschen vermietet.

 

All das lässt sich bei einem gemütlichen Spaziergang durch Park und Wald erkunden und wer Lust und Laune hat kann natürlich auch das Schloß von innen besichtigen…….ich habe jedoch, um eventuelle pubertären Aufstände zu vermeiden…….gleich darauf verzichtet.

 

Es war auf alle Fälle ein schöner Ausflug ins Grüne, der dann am Nachmittag mit einem Besuch im Angelladen noch für Felix und Florian seinen Höhepunkt fand.

 

 

Zurück im Hotel gönnten wir uns erstmal einen Eisbecher (ja, in Schweden findet man doch tatsächlich hin und wieder Eiscafés die sogar Eisbecher anbieten - in Norwegen ja nach wie vor eine große Marktlücke).

 

Anschl. ist Michael mit den Jungs etwas zum Angeln, während sich Mamsen noch bißchen in der Umgebung herumtrieb und letztendlich doch wieder bei einer Tasse Kaffee hängenblieb und lieber das Treiben auf dem Fluss beobachtete.

 

Vor dem Hotel liegt ein sehr sehr altes Böotchen……die Eduard Melin“…..und es handelt sich hier um ein Boot aus dem 1882 ! Und so sieht es auch aus ! Als wenn wirklich noch nie irgendetwas ausgebessert oder erneuert worden wäre……..

 

Man überlegt sich mindestens zweimal ob man einen Fuß auf die Planken setzt, den überall sieht man nur Rost und nochmals Rost.

Aber auf dem Schiff wird immerhin Kaffee, Kuchen und Suppe von einem sehr netten alten Mann verkauft (er könnte evtl. ein paar Jahre junger sein als das Boot) und ich dachte dann einfach, wenn andere sich auf das Schiff wagen, trau ich mich auch.

Die Einrichtung ist ebenso nicht die Jüngste und man sollte sich erst gründlich umsehen wo man sich hinsetzt..ich selbst traute auch keinem der Stühle..aber letztendlich hat es mein Gewicht gehalten. Fragt sich dann nur noch, wann die Planken unter den Füssen vor lauter Morsch oder Rost wegbrechen.

Aber genossen hab ich das Stündlein an Deck in der Abendsonne sehr.immer mit Blick auf den Fluss und meine Männer die an den Bootsstegen angelten.

 

Später haben wir dann unseren letzten Abend in Göteborg noch im Restaurant ausklingen lassen und am nächsten Tag nach dem Frühstück die Heimfahrt angetreten.